Dienstag, 03. Februar 2015

Statement von Frank A. Dassler zur Hauptpressekonferenz

Präsident des Weltverbands der Sportartikelindustrie (WFSGI) und General Counsel adidas AG

Guten Morgen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

für viele mag dies nur eine Messe von vielen sein. Für uns als Vertreter der Sportartikelindustrie ist die „ISPO MUNICH“ die weltweite Leitmesse. Sie dient nicht nur der Präsentation von neuen Produkten oder Services, der Begegnung von Handel und Industrie oder der Order-Platzierung. Die „ISPO MUNICH“ ist für uns die Plattform für den Informationsaustausch, des Netzwerkens und gleichzeitig Treffpunkt für die Verbände der Sportartikelhersteller auf weltweiter, europäischer und deutscher Ebene. Das Serviceangebot der „ISPO MUNICH“ umfasst darüber hinaus für die Sportartikelindustrie ein 365-Tage-Angebot. Aber, und das wissen Sie, lieber Herr Dittrich, es ist der persönliche, fachliche Austausch mit unseren Geschäftspartnern, mit Kunden, und eben auch mit den Wettbewerbern, was einen Mehrwert generiert. Die „ISPO MUNICH“ ist für uns ein wichtiger Gradmesser, wo unsere Branche steht und wohin sie sich entwickelt.

Ich möchte heute auf folgende drei große Themenbereiche eingehen:

  1. Die weltweite Sportartikelindustrie im Spannungsfeld von Handelsbeschränkungen, politischen und wirtschaftlichen Einflüssen
  2. Innovationen und Trends in unserer Branche
  3. Digitale Zukunft, Politik und gesundheitsorientierte Angebote

Deutschland stand 2014 im Lichte des vierten Sterns. Der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien war ein absolutes Sport-Highlight des vergangenen Jahres, und natürlich auch für die Sportartikelindustrie. Vielleicht erinnern Sie sich, was Sie am Abend des 13. Juli im letzten Jahr gemacht haben, als nach Abpfiff feststand, dass Deutschland Weltmeister geworden ist? Zuschauerzahlen weltweit in Milliardenhöhe, Einschaltrekorde in Deutschland – Fußball und die Nationalmannschaft waren Gesprächsstoff in Freizeit und bei der Arbeit, bei Jung und Alt, bei Frauen und Männern. Für die Sportartikelindustrie bedeutete das Rekordumsätze bei Fußballschuhen, Bekleidung und Bällen. Allein das DFB-Trikot verkaufte sich über drei Millionen Mal.

2015 haben wir keines dieser Sport-Megaevents, aber wir blicken als Sportartikelindustrie trotzdem positiv voraus. Die wirtschaftliche Entwicklung unserer Branche zeigt nach oben, wozu vor allem der niedrige Ölpreis und eine daraus resultierende gestiegene Konsumbereitschaft beitragen. Andererseits stellen die geo-politischen Krisen in Russland und im Nahen Osten ein hohes Risikopotential dar. Doch dazu später.

Sport genießt einen steigenden Stellenwert und Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. So ist auch das Thema Olympische Spiele in Deutschland hoch aktuell. Mitte März wird der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, mit welcher Stadt – Hamburg oder Berlin – sich Deutschland um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 bewerben wird.

Wir als Sportartikelindustrie würden uns über Olympische Spiele in Deutschland freuen, weil neben der positiven Werbung für den Sport auch touristische und kommerzielle Impulse zu erwarten sind. Der Weltverband der Sportartikelindustrie ist ein anerkannter Partner des IOC. Wir diskutieren gemeinsam die Zukunft des Sports und der Olympischen Spiele.

Eine wichtige Grundlage ist die „IOC Vision 2020“, zu der wir gehört werden und wo wir Input leisten. Ich stehe persönlich in einem intensiven Dialog mit dem IOC zur Agenda 2020 mit einem Fokus auf saubere Athleten und auf Nachhaltigkeit.

Insgesamt kann ich positive Entwicklungen in der globalen Sportartikelindustrie vermelden. Der amerikanische Sportartikelmarkt ist immer noch der größte Markt der Welt. Hier sind vor allem die US-Unternehmen erfolgreich, viele europäische oder asiatische Marken tun sich etwas schwerer.

Die Börsenwerte der Sportartikelunternehmen haben sich 2014 im Gesamtdurchschnitt positiv entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen sie um 19,3 Prozent und lagen damit über den weltweiten Börsenindizes. Auch für 2015 erwarten Experten und Analysten ein schnelleres Wachstum in unserer Branche als in der Gesamtwirtschaft. Allerdings bleibt festzuhalten, dass die insgesamt positive Entwicklung vornehmlich durch US-amerikanische und asiatische Unternehmen begründet ist, die europäischen Unternehmen erzielten teilweise schlechtere Börsenkurse als im Vorjahr. Bekleidungsunternehmen schneiden besser ab als Hersteller von Ausrüstungen oder von Schuhen.

Die derzeitige Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar sollte für die europäischen Sportartikelhersteller, die Sportartikel in die USA verkaufen, positive Auswirkungen haben. Zudem scheint sich der US-Golfmarkt zu erholen. Nach witterungsbedingten schlechten Jahren und damit vergleichsweise geringen Neukäufen von Schlägern und Ausrüstung, ist die Branche insgesamt zuversichtlich, dass 2015 eine Wende bringen wird.

Wir beobachten die weltweiten Wechselkursentwicklungen sehr genau, da die Produkteinkäufe in Asien vornehmlich auf Dollarbasis getätigt werden. Auch die Abwertung des Rubels stellt für die in Russland engagierten Unternehmen ein Problem dar. Hier machen sich die Sanktionen gegen Russland bemerkbar. Der niedrige Ölpreis, eine wichtige Einkommensquelle Russlands, führt zudem zu geringeren Einkommen und hat entsprechende Auswirkungen auf den russischen Konsum.

Einen großen Einfluss auf die FOB-Preise haben die steigenden Löhne in den Beschaffungsländern Asiens. So rechnen wir mit Lohnsteigerungen in China, Vietnam und Indonesien in der Größenordnung von 10 bis teilweise 20 Prozent. Die Rohstoffkosten, die gut die Hälfte der Kosten in der Schuh- und Bekleidungsproduktion ausmachen, werden von Experten auf einem ähnlichen Niveau wie bisher erwartet. Der Preis für Baumwolle ist derzeit auf einem Fünfjahrestief, wobei ein leichter Anstieg des Weltmarktpreises erwartet wird.

Bei den Rohstoffkosten, die zur Herstellung von Polyester, Nylon und PVC notwendig sind, wird eine leichte Preissenkung erwartet. Anders sieht es bei den Kosten für Leder aus, die Experten zufolge auch 2015 auf dem aktuell sehr hohen Niveau bleiben.

Es zeigt sich also, dass unser Geschäftsmodell stark von den Entwicklungen in der ganzen Welt beeinflusst wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wechselkurse, gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Konsumneigung für die Sportartikelbranche einen insgesamt positiven Ausblick auf 2015 erlauben. Gleichzeitig rechnen wir mit einigen Unsicherheitsfaktoren. Die Chancen der weltweiten Liefer- und Beschaffungskette bergen oftmals auch Risiken für unser Geschäftsmodell. Daher ist es für uns unverständlich, dass die Sportartikelindustrie immer noch eine der Branchen ist, die weltweit die höchsten Zölle und Abgaben leisten müssen.

Freihandelsabkommen ermöglichen freien Handel – unerlässlich für unser Geschäftsmodell! Die deutsche Bundesregierung erklärt im Jahreswirtschaftsbericht ihr Eintreten für Freihandelsabkommen, die Marktzugangsmöglichkeiten für deutsche und europäische Unternehmen in wichtigen Drittstaaten verbessern sollen.

Wir unterstützen schon seit Jahren die Bemühungen um Freihandelsabkommen, wie beispielsweise TTIP zwischen den USA und der EU, oder TPP zwischen USA und Vietnam. Auch die Vision der jüngst auf politischer Ebene angesprochenen Freihandelszone zwischen Russland und Europa wäre begrüßenswert.

Lassen Sie mich kurz auf TTIP eingehen, das derzeit intensiv diskutiert wird. Vielfach werden die großen weltweit tätigen Unternehmen kritisiert. Es sind aber gerade kleinere und mittlere Unternehmen unserer Branche, die einen großen Vorteil hätten, wenn unsere Produkte ohne Handelsgrenzen einfacher zwischen Europa und den USA zirkulieren könnten. Dann gäbe es nur noch einen Sicherheitsstandard, es würden die gleichen Prüfverfahren angewendet und insgesamt würden administrative Hürden und Einfuhrzölle abgeschafft. Nur wenige der „Global Player“ exportieren Sportartikel aus Europa in die USA. Es sind vielmehr kleine und mittlere Unternehmen, die von der Freihandelszone profitieren würden – sie könnten ihren Markt erweitern und neue Geschäftspotentiale erschließen.

Aus Sicht der globalen Sportartikelindustrie machen uns die derzeitigen geopolitischen Krisen in Russland und der Ukraine sowie im Nahen Osten Sorgen. Hier spüren wir vor allem die Sanktionen gegen Russland, da sie Auswirkungen auf den Konsum haben. Was auf der einen Seite die politischen Absichten dieser Sanktionen erfolgreich erscheinen lässt, hat auf der anderen Seite entsprechende Auswirkungen nicht nur in Russland, sondern auch in Europa. Der niedrige Ölpreis bedeutet darüber hinaus geringere Einnahmen für Russland. Wir hoffen aber vor allem in Sinne der Menschen, dass diese Krisen baldmöglichst beendet werden können.

Damit komme ich zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Der jüngst veröffentlichte Jahreswirtschaftsbericht der deutschen Bundesregierung blickt positiv auf das Gesamtjahr 2015. So wird ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent erwartet. Über 42,8 Millionen Beschäftigte stellen einen Beschäftigungsrekord dar und unterstreichen die Zuversicht der Deutschen, dass es aufwärts geht.

Das schlägt sich auch im Konsumklima Deutschlands wieder. Die GfK vermeldete letzte Woche „Konsumklima auf höchstem Stand seit 13 Jahren“. Der Index über die privaten Konsumausgaben stieg um 0,3 Prozent auf 9,3. Da bis zu 30 Prozent des verfügbaren Einkommens auf den Einzelhandel entfallen, interpretiere ich das als eine gute Botschaft auch für unsere Branche und den Sportfachhandel.

Das neueste BSI Konjunkturbarometer Deutschland wird auf der Pressekonferenz des Bundesverbands der Sportartikelindustrie am 05.02.2015 vorgestellt.

In den Ländern der Europäischen Union wird die Zukunft unterschiedlich eingeschätzt. Insgesamt sieht die EU-Kommission eine positive Entwicklung im Handel und bei den privaten Haushalten. Je nach Wirtschaftssektor zeigen sich aber Unterschiede im Euroraum. Welche Auswirkungen der Regierungswechsel in Griechenland auf die wirtschaftliche Entwicklung hat – und damit auch auf unsere Branche – bleibt abzuwarten.

Im nächsten Themenbereich geht es um Innovationen und Trends in unserer Branche.

Das Thema „Corporate Responsibility“ ist schon längst kein „nice-to-have“ mehr, sondern in unserer Branche schon lange ein elementarer Teil unserer Wirtschaftsaktivitäten. Erst kürzlich wurden auf dem Weltwirtschafsforum in Davos die „100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt“ gekürt. Auch wenn US-amerikanische Unternehmen die Mehrzahl im Ranking darstellen, kommen fünf der 100 Unternehmen aus Deutschland. Zu ihnen zählen BMW (6.), Henkel (39.), Siemens (55.) und Daimler (60).

An dieser Stelle gebe ich meine Neutralität als Weltverbandspräsident kurz auf und darf ein wenig stolz darauf hinweisen, dass die adidas Gruppe zum drittbesten Unternehmen weltweit ernannt wurde. Gleichzeitig sind wir damit das nachhaltigste Unternehmen Europas.

Die Sportartikelindustrie hat früh erkannt, dass nachhaltiges Wirtschaften und Transparenz in der Lieferantenkette zusammengehören. Gerade aufgrund der sehr fragmentierten Beschaffungs- und Lieferketten in unserer Industrie sind wir verantwortlich für die Wirtschaftsaktivitäten, für die Menschen und Standorte unserer Produktion sowie für die entstehenden Umwelteinflüsse.

Im Zeitalter von Internet und Social Media sind dies Themen, die von der Gesellschaft sehr genau aufgegriffen werden. Per Twitter oder Facebook verbreiten sich mögliche Missstände in Minutenschnelle über die ganze Welt. Wir als Unternehmen müssen daher über alle Wirtschaftsstufen informiert sein, Antworten geben und reagieren können. Ich bin überzeugt davon, dass in Zukunft nur die Unternehmen langfristig erfolgreich sein werden, die das Thema „Corporate Responsibility“ nicht nur in Hochglanzbroschüren präsentieren, sondern es auch tagtäglich leben und sich ethisch korrekt verhalten.

Innovation, Design, Funktion – auf diese drei Produkteigenschaften achten wir ganz besonders. An einem Laufschuh lässt sich das gut erläutern: Je nach Laufart, nach Laufanlass oder nach Läufertyp ergeben sich jeweils sehr unterschiedliche Anforderungen an ein Performance-Produkt. Die vielen Produktpräsentationen der Aussteller oder die Gewinner der „ispo Awards“ werden das eindrucksvoll zeigen.

Innovationen beziehen sich aber nicht nur auf unsere Produkte und Services, sondern auch auf unsere internen Geschäftsprozesse. Ende letzten Jahres hat der Weltverband in Leipzig ein großes Symposium zum Thema „Manufacturing of the Future“ organisiert. Im Zentrum der hochkarätigen Vorträge und Diskussionen stand die Frage, wie Design und Produktion besser verknüpft werden können.

Das ist in unserer teils sehr fragmentierten Lieferkette ein wichtiges Thema: Hersteller, Produzenten, Zulieferer und Händler arbeiten auf unterschiedlichen Fertigungsstufen Hand in Hand.

Sportartikel, wie auch Schuhe und Bekleidung insgesamt, werden überwiegend in Asien hergestellt. Die weltweiten Güterströme erfordern intelligente Distribution, Organisation und Logistik. Die vergleichsweise geringen Lohnkosten sind, neben den vorhandenen Kapazitäten und Kenntnissen, vielfach das entscheidende Kriterium für die asiatische Produktion.

Produktionsverfahren und -technologien ändern sich, und neue Materialien eröffnen neue Möglichkeiten. Auch wenn mit der fortschreitenden Automatisierung der Produktion von Massenkonsumartikeln noch viele Fragen offen sind und weiterer Forschungsbedarf besteht, so arbeiten wir in unserer Branche schon heute an Konzepten einer „automatisierten Fabrik“.

Aktuell laufen dazu diverse Forschungsprojekte, die unter anderem auch von der Bundesregierung im Förderprogramm „Autonomik 4.0“ unterstützt werden. Bei erfolgreichem Abschluss der Forschungsprojekte glaube ich, dass wir – mit automatisierten Produktionsverfahren – in nicht allzu ferner Zukunft Sportartikel auch wieder in Europa und gegebenenfalls sogar in Deutschland herstellen können.

Das ist allerdings erst der Anfang. Wir müssen diese Konzepte noch weiter denken und nach der Produktion auch die Handelskomponente weiterentwickeln. Warum soll ein Sportfachhändler in der Zukunft nicht eine digitale Fuß-Vermessung seiner Kunden anbieten können und ihnen dann einen maßgeschneiderten Schuh gleich auf der Strickmaschine und mit 3-D-Drucker im Ladengeschäft herstellen? Das mag für einige noch Zukunftsmusik sein, technisch ist das schon heute möglich.

Diese Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Distributionskanäle der Zukunft. Internet, Multi-Channel und Omni-Channel haben die Einzelhandelslandschaft verändert. Es gibt heute kaum einen stationären Händler, der keinen Online-Shop hat. Gleichzeitig gehen Online-Anbieter mit ihren digitalen Angeboten in die Innenstädte.

Denn der E-Commerce zum Endverbraucher wird vielen Studien zufolge weiter wachsen. Diese Tendenz gilt für Deutschland, für Europa und die ganze Welt. Die Herausforderung der Zukunft wird sein, das Konsumenten- und Einkaufsverhalten besser zu verstehen und maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Auch die heutigen Online- und Einkaufswelten werden sich in Zukunft weiter verändern und alte, teils überkommene Strukturen weiter aufbrechen.

So hat das ECC in einer Studie zum „Informations- und Kaufverhalten“ gerade bei Sportartikeln Unterschiede zum Kaufverhalten anderer Güter identifiziert. Dies beeinflusst die Einkaufsstättenwahl und zeigt Profilierungspotential für stationäre Händler und für Online-Händler auf.

E-Commerce beeinflusst das Konsumentenverhalten und die Handelsstrukturen. Eine Differenzierung zu anderen Online-Anbietern und das Erlebnis werden für den Erfolg entscheidend sein. Die strikte Trennung von online und stationär ist eigentlich überholt und fordert aufgrund der Bedeutung von Cross-Channel schon heute neue Wege und Strategien.

Hierzu können Händler – online und stationär – noch stärker auf Themenwelten setzen, sinnvolle Informations- und Beratungsleistungen anbieten und weitere Servicefunktionen etablieren. Erfolgsfaktoren sind Websitedesign, Usability, Service, Bezahlung & Check-out, Preis-Leistung, Sortiment sowie Versand & Lieferung. Nur eine Internetseite mit angehängtem Online-Shop reicht heute sicherlich genauso wenig aus wie ein rein stationär ausgerichtetes Ladengeschäft.

Ich komme zum dritten Themenbereich: Digitale Zukunft, Politik und gesundheitsorientierte Angebote

Der Kreis von Produktentwicklung, Handel und Kommunikationsverhalten der Konsumenten schließt sich. Hier in München findet heute der zweite Tag der „Wearable Technologies Conference 2015“ statt. Auf dieser Konferenz werden wichtige Trends auch für unsere Branche diskutiert. Unsere Konsumenten sind in ihrem Freizeit- und Kommunikationsverhalten schon heute „digital“ unterwegs. Apps, Sensoren, Fitnesstracking oder Musik beim Laufen finden wir nicht nur bei den „Digital Natives“, sondern in weiten Teilen der Gesellschaft. Hier sehe ich noch viel Potential für Hersteller und Händler. Wir müssen auf diese Bedürfnisse abgestimmte Geschäftsmodelle entwickeln. Fußbälle mit Sensoren, Herz-Kreislaufdaten auf dem Fahrrad oder beim Waldlauf, Geo-Ortung, Trainings- und Spielüberwachung werden im Amateurbereich immer mehr zur Normalität und werden dokumentiert, analysiert und online mit anderen geteilt.

Der Markt für Wearables ist riesig und er wächst. Auf der „Consumer Electronics Show“ in Las Vegas wurde diskutiert, dass dieser Markt 2015 um bis zu 133 Prozent auf über 5,1 Milliarden US-Dollar wachsen soll. Dazu tragen auch Fitness- und Gesundheitsgeräte bei. Die fitness-orientierten Wearables allein sollen laut einer Studie von Juniper Research bis 2018 über 70 Millionen Mal verkauft werden. Das sind mehr als 3,7 Mal so viele Geräte wie heute. Smart Wearables werden zukünftig nicht mehr nur im Sport von Athleten eingesetzt, sondern im normalen Alltag. Gesundheitswerte wie Herz-Kreislauf-Daten bis hin zur EKG-Messung oder der Bestimmung von Zuckerwerten werden zukünftig zum Marktwachstum beitragen.

Sport wird politisch wichtiger. Mit der Vorstellung der neuen EU-Kommission hat sich für unsere Branche eine erfreuliche Neuerung ergeben. Die Generaldirektion EAC – mit den Themenschwerpunkten „Bildung, Kultur, Jugend und Sport“ – führt in der Bezeichnung seit dem Herbst 2014 explizit den „Sport“. Das ist deshalb wichtig, weil damit der Bedeutung des Sports Rechnung getragen wird. Die Sportartikelherstellerverbände haben sich vor allem mit dem europäischen Dachverband FESI immer wieder für die Anerkennung der Wichtigkeit des Sports in Europa eingesetzt. Der neue EU-Kommissar Tibor Navracsics hat die Bedeutung des Sport erkannt und gewürdigt. Die in diesem Jahr erstmals stattfindende „European Week of Sport“ ist ein wichtiger erster Schritt.

Wenn es gelänge, mehr Menschen in Bewegung zu bringen, im Englischen sprechen wir von „Physical Activity“, dann hätte das unbestritten positive Auswirkungen auf die Gesellschaft. Schulsport, freier Zugang zur Natur oder betriebliches Gesundheitsmanagement – das sind nur drei Bereiche, für die wir uns stark machen und wo wir selber etwas bewegen können. Denn es ist ein Fakt, dass es in Europa – und Deutschland nehme ich nicht aus – von Bewegungsmuffeln wimmelt.

Die demographische Entwicklung weltweit erfordert neue Herangehensweisen. Die Menschen werden älter, sie bleiben länger gesund und aktiv. Gleichermaßen bewegen sie sich zu wenig, was negative Auswirkungen auf die Gesundheit insgesamt hat. Deshalb engagieren wir uns zusammen mit unseren Partnern und versuchen, die Begeisterung und die positiven Emotionen rund um den Sport noch stärker in die Gesellschaft zu tragen. Neuesten Ergebnissen des EU-Eurobarometers zufolge treiben 42 Prozent aller Europäer überhaupt keinen Sport. Tatsächlich waren es vor vier Jahren noch 39 Prozent. Die Inaktivität der Menschen in Europa hat sich also noch verschlechtert.

Die Europäerinnen und Europäer müssen ja nicht gleich zu Spitzenathleten werden, aber etwas mehr Bewegung würde allen gut tun. Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass Bewegung einen, wenn nicht den stärksten, positiven Einfluss auf die Erhaltung der Gesundheit, auf Prävention und sogar zur Heilung von Krankheiten hat.

Bewegung fängt im Alltag an: Fahrrad statt Auto und Treppe statt Aufzug. Damit tun wir mehr für die Gesundheit in der Bevölkerung als viele medizinische Gesundheits- und Präventionsprogramme. Der natürliche Bewegungsdrang, den Kinder im frühesten Kindesalter entwickeln, sollte uns Vorbild für das restliche Leben sein. Es ist wichtig, Kindern frühe positive Erfahrungen mit Sport und Bewegung zu schaffen: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Da unsere Branche von Bewegung und Sport lebt, haben wir frühzeitig reagiert. Der Weltverband hat das „Physical Activity Comittee“ gegründet, um einen industrieweiten Erfahrungsaustausch zu etablieren. Denn auch in unserer Branche stehen wir vor dem Problem, wie man die inaktiven Menschen wirkungsvoll erreichen kann. Insofern freue ich mich, dass wir gemeinsam mit der „ISPO MUNICH“ vor drei Jahren das „ISPO Health Forum“ ins Leben gerufen haben. Was anfangs als Experten-Konferenz in einem separaten Saal begann, ist mittlerweile als „Health & Fitness“ ein fester Bestandteil mitten auf der Messe zwischen den Ausstellern und mit Messebesuchern geworden.bsi

Die Sportartikelindustrie freut sich, dass die „ISPO MUNICH 2015“ in Kürze eröffnet. Wir erwarten spannende, ereignisreiche und sportlich-inspirierte Tage. Networking, Innovationen, Trendsportarten und klassische Disziplinen sowie hoffentlich gute Geschäftsabschlüsse mit Partnern aus der ganzen Welt stehen uns bevor!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

– Es gilt das gesprochene Wort –

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